Mit einem Paukenschlag wollen die Neuss Düsseldorfer Häfen ihre Position als führender Servicedienstleister für den Warenverkehr am Niederrhein weiter ausbauen. Die Verantwortlichen möchten auf 200.000 Quadratmetern in Krefeld-Linn einen neuen Hafenbahnhof bauen.
Die Planer von Hafengeschäftsführer Rainer Schäfer haben ganze Arbeit geleistet. Ihr Konzept für das neue Transterminal Krefeld zeugt von Weitsicht und Kreativität. "Wir müssen den Verkehrsträger Schiene deutlich stärken, damit die zunehmenden Warenströme weiter in Bewegung bleiben", beschreibt er das Gebot der Stunde. Schäfer weiß, dass die Zeit drängt. Als Chef der Häfen in Neuss, Düsseldorf und Krefeld ist er sensibel für den Druck, der auf den Verkehrsträgern lastet. Selbst die Wirtschaftskrise hat seine Häfen nur ganz kurz aus der Wachstumsspur gebracht. "Der Krefelder Rheinhafen hat als einziger Binnenhafen in NRW im vergangenen Jahr bereits wieder auf Vorkrisenniveau gearbeitet", berichtet der Manager und auch in Neuss und Düsseldorf habe man in allen Bereichen zweistellige Zuwachsraten verbuchen können.
Standort ist akzeptiert
Das geplante Transterminal ist das größte Ausbauvorhaben in der Geschichte des Rheinhafens und würde rund 40 Millionen Euro Investitionsmittel nach Krefeld bringen. Zur Finanzierung des Projekts hat der Hafenchef das Förderprogramm für KV-Umschlagsterminal im Blick. Der Bund bezuschusst alternative Transportwege, die die Straßen entlasten, mit bis zu 85 Prozent der Baukosten. Ein erstes Gutachten brachte bereits ein positives Ergebnis. "Der Standort ist voll förderfähig", erläutert Schäfer. Die Bahnhofsfläche ist durch ihre Lagegunst direkt neben der Hauptstrecke und den damit verbundenen Möglichkeiten wohl einzigartig. Sie kann Bestandteil eines Hochleistungsnetzwerks im Kombinierten Verkehr Deutschlands werden. Das Transterminal wird vier Umschlaggleise von je 750 Metern Länge und vier Abstellspuren bekommen. Eine 720 Meter lange Kranbahn ermöglicht das Verladen der Güter. Im Bereich der bestehenden Bahnhofsanlage entsteht der Umschlagplatz für Container und Sattelauflieger. Die Kräne können dort die Ladungseinheiten vom Zug auf den Lkw befördern oder zwischen Zügen wechseln. Über das Containerterminal am Hafenkopf sind Transporte mit dem Binnenschiff möglich. Um die Anwohner nicht zu belasten, wurden in die Pläne bereits weitreichende Lärmschutzmaßnahmen integriert. "Wir wollen den Ausbau im Einklang mit den Nachbarn realisieren", sagt Rainer Schäfer. Das künftige Transterminal soll verkehrstechnisch an die Bundesstraße 288 angeschlossen werden
Die Seehäfen im Rücken
Der neue Hafenbahnhof wird unmittelbar am Hauptschienenstrang zwischen Köln und Duisburg liegen, über den ein Großteil des Güterverkehrs in Nordrhein-Westfalen abgewickelt wird. In der Verlängerung wäre das Transterminal auch ausgezeichnet an die Trassen der Betuwe-Linie und des Eisernen Rheins angebunden, was den Güteraustausch mit den Seehäfen in den Benelux-Staaten und Norddeutschland weiter befördern würde. Im kommenden Jahrzehnt wird der Warenverkehr weiter rasant zunehmen. Die Straßen sind aber heute schon überlastet und die Schiene nähert sich auch der Kapazitätsgrenze. Lediglich der Transport auf dem Wasser hat noch 50 Prozent Kapazitätsreserve. "Nur der Ausbau der trimodalen Umschlagmöglichkeiten und damit ein flexibler Mix der drei Verkehrsträger gibt uns eine langfristige Transportsicherheit", erläutert Rainer Schäfer. Die zusätzlichen modernen Transportkapazitäten auf der Schiene können rund 100.000 Fahrten von Lastkraftwagen ersetzen.
Knotenpunkt im Hinterland
Der Standort Krefeld kann durch die wichtige Investition zum unverzichtbaren Umschlagplatz im Ballungsraum Rhein-Ruhr werden. Die Perspektive: Die Seehäfen Rotterdam, Antwerpen und Hamburg wachsen weiter. Um ihre Transportströme bewältigen zu können, suchen sie zuverlässige Partner im Binnenland. Die Häfen in Neuss, Düsseldorf und Krefeld stehen bereit, um vom zunehmenden Warenaustausch zu profitieren.
Wirtschaft befördern
Der Logistiksektor brummt. Auch in 2011 melden die Häfen in Neuss, Düsseldorf und Krefeld steigende Transportmengen. Vor allem mit höchster Flexibilität und einem breiten Angebotsportfolio haben sich die Häfen eine ausgezeichnete Marktposition erarbeitet. Gerade der Güterartenmix hat zu einem überproportionalen Mengenwachstum geführt. Besonders hoch waren die Zuwächse bei Erzen und Metallabfällen, sowie bei Eisen- und Stahlprodukten. Hier gab es bereits im Vorjahr Steigerungsraten von über 40 Prozent. Mehr in den Fokus genommen, haben die Hafenmanager den sogenannten Break Bulk-Bereich. Gerade bei Sack- und Fassware, Papier sowie Kisten können die Verladekapazitäten problemlos ausgeweitet werden.
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