Die Nordsee reicht bis Düsseldorf - in den Kalkulationen und Konzepten der Logistik-Spezialisten der Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH). Denn die großen Seehäfen wie Rotterdam und Antwerpen versuchen, die Fracht möglichst schnell an die Binnenhäfen an der Wasserstraße Rhein zu bringen. Der Transport beispielsweise der Container ist genau abgestimmt, sie werden unverzüglich in Rotterdam oder Antwerpen auf Binnenschiffe verladen und im Düsseldorfer Hafen über die riesigen Kranbrücken auf die Eisenbahn oder auf Lkw verteilt. Selbst die Übersee-Zollabfertigung kann in Düsseldorf geschehen. "Die Häfen sind zum Dienstleister für die Industrie geworden, sind ein Teil des Logistik-Systems", sagt NDH-Geschäftsführer Rainer Schäfer.
Auf ein solches System ist die Industrie der Rheinschiene - das Gebiet um Köln, Düsseldorf/Neuss und Duisburg hat die drittgrößte Industriedichte in Deutschland - angewiesen. Nur mit zuverlässigem Transport, reibungslosem Umschlag der Güter von Schiff auf Bahn oder Lkw und umgekehrt in den Hafen-Knotenpunkten sowie Lagerflächen als Puffer ist die Industrie konkurrenzfähig.
Sie lagert sogar Fertigungsschritte in den Düsseldorfer Hafen aus. "Wir veredeln beispielsweise Stahlrohre für Vallourec & Mannesmann oder demontieren Mercedes-Sprinter für den Transport in die USA", berichtet Schäfer. Im Düsseldorfer Mercedes-Werk würde das zu viel Platz beanspruchen. Auf diese Logistik-Angebote setzt die NDH, "deshalb haben wir unter anderem im Düsseldorfer Hafen 15 000 Quadratmeter Fläche für eine neue Container-Kranbrücke freigemacht", sagt Schäfer.
Der Hafen bietet Unternehmen nicht nur ein logistisches Rückgrat, sondern verpachtet oder vermietet Grundstücke an Firmen. Das Spektrum ist breit, reicht von Speditionen und Logistik-Unternehmen etwa für Autos bis hin zu Unternehmen, die auf die Hafeninfrastruktur angewiesen sind. Mühlenbetriebe beispielsweise, die Getreide verarbeiten und für die die Lage im Hafen wegen der günstigen Anlieferung per Schiff günstig ist. Die Nachfrage ist groß, vor allem im Logistikbereich, weil die Transporte sich nach Schätzungen von Fachleuten bis 2030 verdreifachen könnten. Schäfer ist deshalb froh, dass die Düsseldorfer Stadtplanung nach langen Auseinandersetzungen mit der Hafenwirtschaft den Medienhafen und den Wohnungsbau nur bis zur Speditionstraße plant. "Eine Einengung kann der Hafen nicht vertragen, die Region Düsseldorf profitiert vielmehr wegen der weltweiten Warenströme von einem Hafen", so Schäfer. |